Manchmal ist Golf schon ein ziemlich bescheuerter Sport.
Da spiele ich neun Löcher in Even Par, treffe die Grüns, haue ordentliche Drives raus und habe zwischendurch das Gefühl, dass Golf eigentlich gar nicht so schwierig ist.
Und dann stehe ich ein paar Tage später auf der Driving Range und frage mich ernsthaft, ob ich jemals einen vernünftigen Golfschwung hatte.
Willkommen in meiner Golfwelt!
Offiziell stehe ich aktuell bei Handicap 10,8. Und das beschreibt mein Golfspiel vermutlich sogar ganz gut. Allerdings weniger die einzelnen Runden als vielmehr den Durchschnitt meiner gelegentlichen Glanzleistungen und sportlichen Totalausfälle.
Ich kann richtig gutes Golf spielen. Nur leider nicht auf Bestellung.
Eigentlich sind die Voraussetzungen gar nicht so schlecht
An der Schlaglänge liegt es jedenfalls nicht unbedingt. Mein Eisen 7 fliegt rund 146 Meter Carry, das Eisen 6 etwa 156 Meter und mit dem Eisen 8 komme ich auf ungefähr 134 Meter. Auch mit dem Driver sind Schläge um die 260 Meter drin. Das sind jetzt keine Tour-Werte, aber damit sollte sich durchaus vernünftiges Golf spielen lassen. Und wenn mein Schwung funktioniert, bin ich auch mit den Eisen ziemlich präzise. Dann fliegt der Ball genau dorthin, wo ich ihn haben möchte. Manchmal sogar mehrfach hintereinander!
Das Problem beginnt meistens dann, wenn ich versuche, das Ganze zu wiederholen.
Mein Golfschwung hat ein Eigenleben
Mein klassischer Fehlschlag ist eigentlich der Hook. Ein Ball, der zunächst noch halbwegs vielversprechend aussieht, nur um anschließend mit beeindruckender Entschlossenheit nach links abzubiegen. In letzter Zeit hat sich allerdings auch noch ein Slice dazugesellt. Offensichtlich war meinem Golfschwung eine Fehlerrichtung irgendwann zu langweilig. Dazu kommen gelegentlich dünn oder fett getroffene Eisen. Wobei ich nicht behaupten kann, dass diese Fehler besonders zuverlässig auftreten. Sonst könnte ich mich wenigstens darauf einstellen.
Das wirklich Frustrierende ist aber, dass ich zwischendurch immer wieder Trainingseinheiten habe, in denen plötzlich alles funktioniert. Die Bälle fliegen sauber, der Ballkontakt passt und der Schwung fühlt sich großartig an. Endlich! Jetzt habe ich es!
Bis zur nächsten Trainingseinheit.
Inzwischen habe ich zumindest einen konkreten Verdacht: Early Extension. Also das frühzeitige Aufrichten des Körpers im Abschwung. Das konnte ich auch bereits auf Schwungvideos erkennen. Ob das tatsächlich die Ursache meiner fehlenden Konstanz ist oder nur ein Teil des Problems, muss sich noch zeigen.
Mein Trainer? YouTube!
Wenn ich ehrlich bin, habe ich in den vergangenen Monaten, eigentlich fast im gesamten letzten Jahr, zu wenig und vor allem ziemlich unstrukturiert trainiert. Und meine letzte richtige Trainerstunde dürfte inzwischen mehr als zehn Jahre zurückliegen. Zehn Jahre!
Dafür habe ich vermutlich genügend YouTube-Golfvideos gesehen, um selbst eine kleine Trainerausbildung anzubieten. Zumindest theoretisch. Praktisch sieht es eher so aus, dass ich ständig neue Schwunggedanken ausprobiere, gelegentlich einen Volltreffer lande und anschließend versuche herauszufinden, was ich da eigentlich gerade richtig gemacht habe. Vielleicht wäre es nach einem Jahrzehnt tatsächlich mal wieder sinnvoll, einen richtigen Golftrainer zu besuchen.
Eine durchaus revolutionäre Idee.
Körperlich auch nicht gerade auf Tour-Niveau
Auch abseits des Golfplatzes gibt es ein paar Baustellen. Nach einer ziemlich intensiven und anstrengenden privaten Phase hat sich mein Gewicht auf rund 100 Kilogramm eingependelt. Bei 1,87 Meter Körpergröße ist das zwar noch kein Grund, den Golfcart grundsätzlich dem Fußweg vorzuziehen, aber besonders fit fühle ich mich damit auch nicht. Kraft, Beweglichkeit und Ausdauer waren definitiv schon einmal besser. Und auch wenn mein Bauch vermutlich nicht allein für den Hook verantwortlich ist, dürfte etwas mehr Fitness meinem Golfspiel nicht schaden.
Und was ist jetzt mein tatsächliches Spielniveau?
Gute Frage!
Ich weiß, dass ich auf einzelnen Runden richtig gutes Golf spielen kann. Die Even-Par-Runde über neun Löcher war schließlich kein Traum, aus dem ich anschließend schweißgebadet aufgewacht bin. Aber genauso weiß ich, dass ich mein Spiel an manchen Tagen überhaupt nicht im Griff habe. Vielleicht liegt mein größtes Potenzial tatsächlich in einem konstanteren Golfschwung. Vielleicht verschenke ich aber auch beim Kurzspiel, Putting oder durch schlechte Entscheidungen viel mehr Schläge, als ich glaube. Genau das muss ich erst noch herausfinden.
Meine persönliche Bestandsaufnahme fällt jedenfalls folgendermaßen aus:
Handicap 10,8. Ordentliche Schlaglängen. Ein Hook als treuer Begleiter, neuerdings gelegentlich unterstützt vom Slice. Seit über zehn Jahren keinen Golftrainer gesehen und körperlich auch noch reichlich Luft nach oben.
Klingt doch nach einer hervorragenden Ausgangslage für Projekt 5, oder? 😉 Immerhin weiß ich eines ganz sicher: Ich muss nicht lernen, wie sich ein guter Golfschlag anfühlt.
Ich muss nur endlich lernen, wie ich ihn regelmäßig wiederhole.
